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Digital und nach Fahrplan

                               

Warum digital?

Wer einmal eine Modellbahn - und seien die Gleisanlagen noch so bescheiden - in allen Details geplant hat, der wird spätestens bei dem Gedanken an die Elektroarbeiten ins Schwitzen kommen. Selbst der bescheidene Kopfbahnhof Hofheim von unserem Mitglied Dietmar Hauser beherbergt im Untergrund ein wahres Drahtverhau für die Z-Schaltung. Aber ohne diese geht es nicht, möchte man einen vorbildorientierten Betrieb mit mehreren Mitspielern durchführen. Und so richtig Spaß macht der Betrieb mit der Modellbahn nur in der Gemeinschaft.

"Intelligente Z-Schaltungen", wie die Computersteuerung von Gahler und Ringstmeier, konnten zwar in ihrer Funktionsweise überzeugen, doch das leidige Übel der Verkabelung können sie auch nicht mildern. Ganz im Gegenteil: Bei einer ausreichend bemessenen Zahl an Streckenblöcken, nehmen die laufenden Meter benötigten Kabels eher zu. Außerdem ist eine solche Steuerung auch nicht ganz preiswert. Wir wissen wovon wir sprechen, denn wir haben die Kosten genau kalkuliert.

Bei unserem Bauprojekt "Schiebebetrieb im Thüringer Wald" gesellte sich zudem das Problem mit dem Betrieb der Schiebelokomotiven hinzu. Das kann nur mit einer Digitalsteuerung funktionieren. Wir sind der Meinung, das ist eine Investition in die Zukunft, denn die Decoderpreise fallen und mancher Hersteller bietet seine Triebfahrzeuge schon mit eingebauten Decodern an. Hat man sich erst einmal dazu durchgerungen, alle Fahrzeuge - oder bei gigantischen Sammlungen diejenigen, die für das realisierte Thema überhaupt in Frage kommen - umzurüsten, liegen die Vorteile auf der Hand: Kein Kabelsalat, konstante Beleuchtungen, Vorspann- und Schiebebetrieb ohne Probleme, exzellente Fahreigenschaften dank moderner Decoder mit 128 Fahrstufen, im BW können Lokomotiven direkt hintereinander abgestellt werden, ohne auf die abschaltbaren Gleisabschnitte zu achten und der Betrieb mit mehreren Personen ist auch leichter realisierbar. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Auf das System kommt es an

Zu Beginn des Digital-Zeitalters ging fast jeder Hersteller seinen eigenen Weg. Wir möchten uns an dieser Stelle nicht anmaßen, die Qualität der einzelnen Systeme zu bewerten. Doch es gilt das gleiche, wie vor Jahren für Videorecorder: Auch wenn das VHS-System nicht unbedingt das beste System am Markt war, es hat sich am Ende durchgesetzt. Für die Digitalsteuerungen bedeutet das: Setzt man auf die Zukunft, kommen eigentlich nur solche Systeme in Frage, die nach der NMRA-Norm arbeiten. Weiterer Vorteil: Man kann Decoder verschiedener Hersteller verwenden, die miteinander kompatibel sind. Wir haben uns trotz anfänglicher technischer Schwierigkeiten für das Lenz-Sytem entschieden. Lenz verfügt über einen attraktiven Handregler mit Drehknopf und vor allem über ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zimo kam auch in Frage, aber der klobige Regler mit seinem Schiebeknopf lässt keine Einhand-Bedienung zu. Außerdem ist das System nicht gerade preiswert.

Dafür können die extrem kleinen und für Glockenankermotoren optimierten Decoder von Zimo voll und ganz überzeugen. Die Fahreigenschaften unserer Triebfahrzeuge, die mit Faulhaberantrieb und Zimo-Decoder ausgestattet wurden, sind überzeugend. Wer es preiswerter möchte und viel Platz in seinen Fahrzeugen hat, der kann auch auf den Lenz-Decoder für Glockenankermotoren zurückgreifen. Alle anderen "normalen" Decoder waren uns einfach zu laut! Selbst Fahrzeuge mit herkömmlichen Antrieben laufen mit den Hochfrequenz-Decodern ruhiger. Kein lästiges "Knattern" im Langsam-Fahrbereich trübt den Fahrspaß.

Getreu dem Motto "Weniger ist mehr" haben wir das eine oder andere Fahrzeug von der Wunschliste gestrichen und dafür kontinuierlich Glockenanker-Motoren und Decoder angeschafft. Diese Vorgehensweise hat sich ausgezahlt, denn eine gut laufende Lokomotive bereitet mehr Freude, als zehn schlecht laufende Fahrzeuge, die meist nach kurzer Zeit in der Vitrine landen. Trotzdem: Eigentlich könnte man von der Modell-Eisenbahnindustrie erwarten, dass solche zusätzlichen Mühen und Kosten nicht nötig wären. Eine derartige Ausstattung ab Werk würde den Verkaufspreis aufgrund der Stückzahlen nur unwesentlich berühren. Eine Differenz, die die meisten Modelleisenbahner gerne zahlen würden, denn optisch hervorragende Fahrzeuge mit mangelhafter Antriebstechnik können auf Dauer nicht überzeugen.

Fahrbetrieb

Selbst eine Modelleisenbahnanlage mit vorbildgerechtem Punkt-zu-Punkt-Betrieb und umfangreichen Rangieranlagen kann auf Dauer nicht befriedigen, wenn die Zugfahrten mehr oder weniger nach dem Zufall erfolgen. Voraussetzung für Spaß an der Bahn ist der Betrieb mit mehreren Mitspielern. Erstellt man dann noch einen Fahrplan für die eigene Anlage, so wird die Beschäftigung mit der Modellbahn erst interessant. Es gibt zahlreiche Software-Programme, die graphische Bildfahrpläne darstellen. Es genügt aber auch Papier und Bleistift. Wichtig ist, dass man sich für einen Betriebsabend ein Thema vornimmt und vor allem nicht zu viele Fahrten einplant.

Verspätungen sind aufgrund der kurzen Streckenabschnitte und der raschen Abfertigung von Zügen an den Betriebsstellen auf Modellbahnen eher selten. Aber gerade diese Unregelmäßigkeiten machen den Betrieb erst interessant. Wir greifen beim Fahrplanbetrieb auf sogenannte Ereigniskarten - ähnlich wie beim Spiel Monopoly - zurück. Hat ein Mitspieler eine Weiche falsch gestellt oder bei der Z-Schaltung einen Stromkreis nicht richtig zugeschaltet, muss eine solche Karte gezogen werden. Denkbar sind dann erzwungene Verspätungen, Gleissperrungen oder Ausfälle von Triebfahrzeugen. Der Fahrplan-Koordinator hat die Aufgabe, alle folgenden Zugfahrten optimal zu koordinieren und die Fahrplan-Änderungen an das Bahnhofspersonal weiterzugeben.

Bei einem derartigen Betrieb gehen die Stunden um wie im Fluge und die Beschäftigung mit der Anlage erhält einen ganz anderen Stellenwert. Gibt es noch zusätzliche Aufgaben, wie Ladekarten für die Güterwagen im Nahgüterzug, fällt es gar nicht schwer, den Personenverkehr auf einer Nebenstrecke im realistischen Zweistundentakt abzuwickeln. In der Zwischenzeit bleibt genug zu tun.

Wir setzen für den Fahrplan-Betrieb eine umgebaute Uhr ein, die im Zeitraffer 1:3 läuft. Bei vorbildgerechten Rangierfahrten wäre eine Uhr mit dem Zeitverhältnis 1:2 wünschenswert.

© 2001 Volker Martin

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