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Hier geht's rund - Umbau der Roco-Drehscheibe 

                               

Die Bühne und Grube der Roco-Drehscheibe wurde mit Holzleisten, zierlichem Gelände und Weinert-Signalen gesupert.

Fotos: Volker Martin

 

 

Bis zur Präsentation der gelungenen 20-Meter-Drehscheibe der Firma Roco war der Modellbahner auf das Modell  von Fleischmann - das aber eher in Bahnbetriebswerken größerer Bahnhöfe anzutreffen ist - oder auf den kompletten Selbstbau angewiesen, wollte er in einem mittleren oder kleinem BW auf eine Drehscheibe nicht verzichten.

Auch mein Projekt "Schiebebetrieb im Thüringer Wald" sollte eine Drehscheibe erhalten. Zwar kommen auf der Strecke hauptsächlich Tenderlokomotiven zum Einsatz, doch bei den Bergfahrten werden die Triebfahrzeuge mit Schlot voran eingesetzt, damit die Feuerbüchse ständig mit Wasser umspült ist. Im Spitzkehrebahnhof muss daher gedreht werden. Außerdem spart eine solche Drehscheibe einige Weichenverbindungen ein. Das Modell der Roco-Scheibe erschien mir aber zu modern und ist von seinem Erscheinungsbild eher auf einer Hauptstrecke anzusiedeln. Es lässt sich aber mit geringem Aufwand umbauen.

Technik

Bei der Konstruktion der Drehscheibe hat Roco an fast alles gedacht. Die Stromversorgung der Bühne ist wohl überlegt. Leider haben wir auf der Anlage "Bad Seefeld", wo die Drehscheibe im Abstellbahnhof zum Einsatz kam, die Erfahrung gesammelt, dass die Kontakte für die Stromversorgung der Bühne mit der Zeit ausleiern. Wir wollten die Bühne und alle Gleisabgänge sicherheitshalber mit festen Stromversorgungen versehen. Bei einer 180-Grad-Drehung würde es dabei allerdings unweigerlich zum Kurzschluss kommen. Roco empfiehlt, das BW-Gelände von der Stromversorgung der übrigen Anlagenbereiche abzukoppeln, was bei unserem Digital-Betrieb nicht in Frage kam.

Damit die Drehscheibe bei einer 180-Grad-Drehung umpolt, muss zuerst die Antriebsabdeckung und die Drehmechanik demontiert werden. Für die weiteren Arbeiten haben wir mit viel Mühe den Sprengring, der die Achse der Bühne hält, entfernt, da diese auch getrennt vom Drehteller leichter umzugestalten ist. Diese Arbeiten sind von Roco nicht vorgesehen, aber sie ermöglichen später, nach dem Einbau der Drehscheibe, eine leichtere Wartung bei Ausfällen einzelner Komponenten.

Sind die Leiterbahnen frei gelegt, kann man einfach die beiden Stromkreise für die Fahrstromversorgung an jeweils zwei Stellen durchtrennen. Dabei muss man den Versatz der Stromschleifer berücksichtigen! Mit einem Stück Draht werden die Leiterbahnen nun wieder über Kreuz miteinander verbunden. Nun muss man die Drehscheibe im BW nur an der richtigen Stelle einbauen, damit die Umpolung zur rechten Zeit erfolgt.

Der Reinfall mit dem Faulhaberantrieb

Man kann alles übertreiben. Diese bittere Erfahrung machten wir beim Versuch, den relativ ruhigen Lauf der Scheibe noch zu verbessern. Ein Umbau auf Faulhabermotor missglückte, da der Motor nicht das erforderliche Drehmoment besaß, um die Bühne unter der Last einer Lokomotive gleichmäßig zu drehen. Diese misslungene Verbesserung kostete uns einiges Lehrgeld, dass wir jedem anderen Modellbahn-Kollegen gerne ersparen möchten.

Ansonsten sei zum Thema Technik noch der Einsatz des Gleisvorwählers von Roco empfohlen. Damit können die Gleisabgänge komfortabel angewählt werden. Wem das "Ratschen" der Federn an der Bühne zu laut ist und wer die Mühe des Ausbaus der Bühne nicht gescheut hat, der kann die Federn getrost kürzen. Die Funktion leidet darunter nicht und die Bühne gleitet wesentlich leiser an Gleisabgängen vorbei.

Optische Kosmetik der Bühne

Als erstes war die Bühne an der Reihe. Alle Anbauteile und das Drehscheibenhäuschen wurden entfernt. Aus Wellblechplatten und Glasklarplatten der Firma Brawa entstand ein neues Häuschen, das gegenüber dem Serienmodell bescheidener ausfiel und besser zum Thema "Klein-BW" passt.

Die Bühne selbst erhielt aus Holzprofilen der Firma "Krick" eine komplett neue Beplankung. Zuvor wurde aus Balsaholz das Profil an den Außenseiten angehoben, damit die darauf liegenden Bohlen bündig mit der Schienenoberkante abschließen. Dadurch wirkt die Bühne zierlicher und gefälliger. Mit den Farben Weiß und Ocker sowie einem Borstenpinsel erhalten die Bohlen nach dem Beizen ein verwittertes, ausgeblichenes Aussehen. Wer die Mühe nicht scheut, kann einzelne Bohlen mit dem Bastelmesser so bearbeiten, dass man deren Alter auf den ersten Blick erkennt.

Abschließend wurden die gelben Anbauteile dunkel lackiert und ein zierliches Bühnengeländer aus 0,5 mm Messingdraht gefertigt. Die Schienenprofile erhielten einen rostigen Anstrich und der Bühnenträger wurde ebenfalls verwittert.

Die Bühne verfügt über Anschlusskabel für das Dreileiter-System, die wir nicht benötigen. Diese Kabel haben wir für die Beleuchtung der feinen Weinert-Sperrsignale genutzt, die jeweils an den beiden Bühnenenden Verwendung fanden.

Drehteller und Gleisanschlüsse

In mehreren Arbeitsgängen mit Spritzpistole und Pinsel wurde dem Drehteller sein Plastik-Look genommen. Aufwendiger war die Umgestaltung der Gleisabgänge. Die Befestigungsklipse waren mir ein Dorn im Auge. Nachdem alle Gleisabgänge festgelegt waren, wurden die Klipse abgetrennt und die verbleibenden Löcher zugeschmiert. Schmirgelpapier auf einem Holzklotz mit dem gleichen Radius der Abgänge erleichterte das mühevolle Glattfeilen der ausgehärteten Spachtelmasse. Die Bohlenübergänge wurden anschließend nach der gleichen Methode wie die Drehbühne aus echtem Holz gestaltet. Abschließend wurden die Innenseiten der Abgänge dem Drehteller farblich angepasst.

Tiefer gelegt

Erst nach dem Einbau der Drehscheibe bemerkten wir, dass die Gleisabgänge in der Steigung liegen. Eine Fleischmann 94er mit ihrem starr gekuppelten Fahrwerk kippte förmlich auf die Bühne. Mit viel Mühe wurde die Scheibe wieder ausgebaut und der Außenkranz der Auflagefläche in der Grundplatte vorsichtig abgeschliffen, damit die Drehscheibe tiefer zu liegen kam. Erst danach lagen Bühne, Gleisabgänge und die übrigen Gleise auf einer Ebene und der gesamte optische Eindruck der Grube wurde besser. Dass sich bei dieser Aktion die Plastikgleisabgänge verzogen soll nicht unerwähnt bleiben. Es wäre uns viel Arbeit erspart geblieben, wenn wir dieses Manko vor dem Einbau bemerkt hätten.

 Insgesamt nahm der Umbau der Drehscheibe sehr viel Zeit in Anspruch. Ich meine, es hat sich gelohnt. Man erhält eine individuelle Scheibe, die selbst in einem kleineren BW nicht fehl am Platze erscheint.

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© 2001 Volker Martin

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