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Bis zur Präsentation der gelungenen
20-Meter-Drehscheibe der Firma Roco war der Modellbahner auf das
Modell von Fleischmann - das aber eher in Bahnbetriebswerken
größerer Bahnhöfe anzutreffen ist - oder auf den kompletten Selbstbau
angewiesen, wollte er in einem mittleren oder kleinem BW auf eine
Drehscheibe nicht verzichten.
Auch mein Projekt "Schiebebetrieb im Thüringer Wald"
sollte eine Drehscheibe erhalten. Zwar kommen auf der
Strecke hauptsächlich Tenderlokomotiven zum Einsatz, doch bei den
Bergfahrten werden die Triebfahrzeuge mit Schlot voran eingesetzt, damit
die Feuerbüchse ständig mit Wasser umspült ist. Im Spitzkehrebahnhof
muss daher gedreht werden. Außerdem spart eine
solche Drehscheibe einige Weichenverbindungen ein. Das Modell der Roco-Scheibe erschien mir aber zu modern und ist von seinem
Erscheinungsbild eher auf einer Hauptstrecke anzusiedeln. Es lässt sich
aber mit geringem Aufwand umbauen.
Technik
Bei der Konstruktion der Drehscheibe hat Roco an fast alles
gedacht. Die Stromversorgung der Bühne ist wohl überlegt. Leider haben
wir auf der Anlage "Bad Seefeld", wo die Drehscheibe im
Abstellbahnhof zum Einsatz kam, die Erfahrung gesammelt, dass die
Kontakte für die Stromversorgung der Bühne mit der Zeit ausleiern. Wir
wollten die Bühne und alle Gleisabgänge sicherheitshalber mit festen
Stromversorgungen versehen. Bei einer 180-Grad-Drehung würde es dabei
allerdings unweigerlich zum Kurzschluss kommen. Roco empfiehlt, das
BW-Gelände von der Stromversorgung der übrigen Anlagenbereiche
abzukoppeln, was bei unserem Digital-Betrieb nicht in Frage kam.
Damit die Drehscheibe bei einer 180-Grad-Drehung umpolt, muss
zuerst die Antriebsabdeckung und die Drehmechanik demontiert werden.
Für die weiteren Arbeiten haben wir mit viel Mühe den Sprengring, der
die Achse der Bühne hält, entfernt, da diese auch getrennt vom
Drehteller leichter
umzugestalten ist. Diese Arbeiten sind von Roco nicht vorgesehen,
aber sie ermöglichen später, nach dem Einbau der Drehscheibe, eine
leichtere Wartung bei Ausfällen einzelner Komponenten.
Sind die Leiterbahnen frei gelegt, kann man einfach die beiden
Stromkreise für die Fahrstromversorgung an jeweils zwei Stellen
durchtrennen. Dabei muss man den Versatz der Stromschleifer
berücksichtigen! Mit einem Stück Draht werden die Leiterbahnen nun
wieder über Kreuz miteinander verbunden. Nun muss man die Drehscheibe
im BW nur an der richtigen Stelle einbauen, damit die Umpolung zur
rechten Zeit erfolgt.
Der Reinfall mit dem Faulhaberantrieb
Man kann alles übertreiben. Diese bittere Erfahrung machten wir
beim Versuch, den relativ ruhigen Lauf der Scheibe noch zu verbessern.
Ein Umbau auf Faulhabermotor missglückte, da der Motor nicht das
erforderliche Drehmoment besaß, um die Bühne unter der Last einer
Lokomotive gleichmäßig zu drehen. Diese misslungene Verbesserung
kostete uns einiges Lehrgeld, dass wir jedem anderen Modellbahn-Kollegen
gerne ersparen möchten.
Ansonsten sei zum Thema Technik noch der Einsatz des Gleisvorwählers von Roco empfohlen. Damit können die Gleisabgänge
komfortabel angewählt werden. Wem das "Ratschen" der Federn an der Bühne zu laut ist und wer die Mühe des Ausbaus der
Bühne nicht gescheut hat, der kann die Federn getrost kürzen. Die
Funktion leidet darunter nicht und die Bühne gleitet wesentlich leiser
an Gleisabgängen vorbei.
Optische Kosmetik der Bühne
Als erstes war die Bühne an der Reihe. Alle Anbauteile und das
Drehscheibenhäuschen wurden entfernt. Aus Wellblechplatten und
Glasklarplatten der Firma Brawa entstand ein neues Häuschen, das
gegenüber dem Serienmodell bescheidener ausfiel und besser zum Thema
"Klein-BW" passt.
Die Bühne selbst erhielt aus Holzprofilen der Firma
"Krick" eine komplett neue Beplankung. Zuvor wurde aus
Balsaholz das Profil an den Außenseiten angehoben, damit die darauf
liegenden Bohlen bündig mit der Schienenoberkante abschließen. Dadurch
wirkt die Bühne zierlicher und gefälliger. Mit den Farben Weiß und Ocker sowie einem
Borstenpinsel erhalten die Bohlen nach
dem Beizen ein verwittertes, ausgeblichenes Aussehen. Wer die Mühe
nicht scheut, kann einzelne Bohlen mit dem Bastelmesser so bearbeiten,
dass man deren Alter auf den ersten Blick erkennt.
Abschließend wurden die gelben Anbauteile dunkel lackiert und
ein zierliches Bühnengeländer aus 0,5 mm Messingdraht gefertigt. Die
Schienenprofile erhielten einen rostigen Anstrich und der Bühnenträger wurde
ebenfalls verwittert.
Die Bühne verfügt über Anschlusskabel für das
Dreileiter-System, die wir nicht benötigen. Diese Kabel haben wir für
die Beleuchtung der feinen Weinert-Sperrsignale genutzt, die jeweils an
den beiden Bühnenenden Verwendung fanden.
Drehteller und Gleisanschlüsse
In mehreren Arbeitsgängen mit Spritzpistole und Pinsel wurde dem
Drehteller sein Plastik-Look genommen. Aufwendiger war die
Umgestaltung der Gleisabgänge. Die Befestigungsklipse waren mir ein
Dorn im Auge. Nachdem alle Gleisabgänge festgelegt waren, wurden die
Klipse abgetrennt und die verbleibenden Löcher zugeschmiert. Schmirgelpapier
auf einem Holzklotz mit dem gleichen Radius der Abgänge erleichterte
das mühevolle Glattfeilen der ausgehärteten Spachtelmasse. Die Bohlenübergänge
wurden anschließend nach der gleichen Methode wie die Drehbühne aus echtem Holz
gestaltet. Abschließend wurden die Innenseiten der
Abgänge dem Drehteller farblich angepasst.
Tiefer gelegt
Erst nach dem Einbau der Drehscheibe bemerkten wir, dass die
Gleisabgänge in der Steigung liegen. Eine Fleischmann 94er mit ihrem
starr gekuppelten Fahrwerk kippte förmlich auf die Bühne. Mit viel
Mühe wurde die Scheibe wieder ausgebaut und der Außenkranz der
Auflagefläche in der Grundplatte vorsichtig abgeschliffen, damit die
Drehscheibe tiefer zu liegen kam. Erst danach lagen Bühne,
Gleisabgänge und die übrigen Gleise auf einer Ebene und der gesamte
optische Eindruck der Grube wurde besser. Dass sich bei dieser Aktion
die Plastikgleisabgänge verzogen soll nicht unerwähnt bleiben. Es
wäre uns viel Arbeit erspart geblieben, wenn wir dieses Manko vor dem
Einbau bemerkt hätten.
Insgesamt nahm der Umbau der Drehscheibe sehr viel Zeit in
Anspruch. Ich meine, es hat sich gelohnt. Man erhält eine individuelle
Scheibe, die selbst in einem kleineren BW nicht fehl am Platze
erscheint.
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