Profile
Bei unserem aktuellen Bauprojekt „Spitzkehre im Thüringer
Wald“ legen wir besonderen Wert auf ein vorbildgerechtes
Gleissystem. Nach ausgiebigen Tests schieden alle Industrieprodukte
aus. Lediglich das Flexgleis von Peco erfüllte die Erwartungen. Es
verfügt über einen schlanken Schienenkopf und über eine gute
Legierung der Neusilberprofile. Außerdem lässt es sich leicht
verlegen. Das Roco-Profil wirkt dagegen klobig, insbesondere das auf
den Plastikverbindungen der Schwellen aufliegende Gleisprofil wirkt
wenig überzeugend. Das optisch hervorragende Tillig-Gleis schied
aufgrund der Brünierung aus. Selbst ein „blank“ gefahrener
Gleiskopf dunkelt innerhalb kurzer Zeit nach, da sich der chemische
Prozess nicht stoppen lässt. Unsere Bedenken gingen daher in Richtung
Stromübertragung.
Industrieweichen
Noch schwieriger wird die Wahl der Weichen. Für die Tillig-Produkte gilt das oben gesagte: Optisch hui, technisch
bedenklich. Die Roco-Weichen sind völlig indiskutabel. Das Herzstück
hat mit dem Vorbild nichts gemein und man muss sich entscheiden, ob
man mit NMRA- oder mit RP 25-Radsätzen fahren möchte. Beides geht
nicht. Bleibt Peco. Wem das englische Schwellenmaß nicht stört –
nach dem Einschottern fällt es kaum auf – der kann mit diesen
Weichen glücklich werden. Ist erst einmal die klobige
Stellschwellenmechanik entfernt, verfügt man über schlanke Weichen
mit einem dem Vorbild sehr nahe kommenden Herzstück. Lediglich die
Gelenkzungen sind dem Puristen dann noch ein Dorn im Auge. Wir setzen
die sehr betriebssicheren und relativ preiswerten Peco-Weichen im
Abstellbahnhof ausschließlich ein.
Bausätze
Bei den Bausätzen wurde man in der Code 100-Ära schnell bei Schullern (vormals Nemec) fündig. Exzellente Weichenbausätze mit
einer hervorragenden Verarbeitungsqualität, wäre da nicht das 2,5 mm
hohe Profil. Die Weichen der Hobbyecke Schuhmacher gefielen uns bezüglich
der Verarbeitungsqualität nicht und wer sich erst einmal für einen
Bausatz entschieden hat, der ist vom kompletten Selbstbau nicht mehr
weit entfernt.
... und schließlich der komplette Selbstbau
Unser Clubmitglied Andreas Göke ergriff die Initiative und
verschwand wochenlang mit Holzschwellen und Peco-Profilen in der
Werkstatt. Die ersten Ergebnisse konnten sich sehen lassen, doch auf
der Anlage „Spitzkehre im Thüringer Wald“ kamen seine Weichen der
zweiten Generation zum Einsatz, die eigentlich nur ein Prädikat
verdienen: Perfekt! Vor dem Bau einer Weiche wird der gewünschte
Fahrweg mit Hilfe von Flexgleisen auf der Anlage fixiert und anschließend
auf transparentem Papier übertragen. Durch diese Vorgehensweise erhält
man Weichen, die genau auf die gewünschte Situation abgestimmt sind
und man muss den Gleisverlauf nicht nach den vorgegebenen
Abzweigradien der Hersteller festlegen. Außerdem erhält das
Gleisbild durch die unterschiedlichen Weichen ein wesentlich gefälligeres
Aussehen. Allein diese Tatsache rechtfertigt den Selbstbau-Aufwand.
So wird’s gemacht
Nachdem die gewünschte Weichenform auf das Transparentpapier
übertragen wurde, geht es an den eigentlichen Bau der Weiche. Passend
zu den Flexgleisen kommen Peco-Profile zum Einsatz - die beste Wahl
bezüglich Optik und Verarbeitungsqualität. Insbesondere der schlanke
Schienenkopf kann voll überzeugen, denn es kommt nicht alleine auf
die Höhe der Profile an.
Für den Weichenunterbau verwenden wir Pertinax-Platten, wie
man sie in jedem Elektronik-Geschäft bekommen kann. Auch die
Schwellen, die zuvor auf das Transparentpapier gezeichnet wurden,
werden aus diesem Material herausgesägt. Später muss man die
leitende Schicht trennen, um keine elektrische Verbindung zwischen den
Schienen zu erzeugen. Sinnvollerweise legt man die Trennung direkt an die
Schienen und nicht in die Mitte der Schwelle. Dadurch erspart man sich
das mühsame Verschmieren der so kaum sichtbaren Trennstellen.
Sind die Schwellen auf die Pertinax-Grundplatte aufgebracht,
werden die Schienenprofile passend abgelängt. Im Bereich des
Herzstückes ist viel Gefühl erforderlich, um eine wirklich spitze
Herzstückspitze zu erhalten. Die Profile an der Herzstückspitze
werden nach der Zeichnung als erstes miteinander verlötet. Ebenso
viel Fingerspitzengefühl erfordern die Zungen, die ebenfalls aus den
Peco-Profilen herausgearbeitet werden. Ein Messingdraht dient später
als Stellstange. Übrigens wird der Antrieb der Stellmechanik in
unserem Fall nicht zwischen die Zungen gesetzt. Vielmehr steuert unser
Selbstbauantrieb die Weichenlaterne und von dort aus seitlich die
Stellstange - wie beim Vorbild.
Sind diese Vorarbeiten erledigt, können die Schienenprofile
mit der Flamme auf die Pertinax-Schwellen gelötet werden. Hierzu sind
unbedingt genügend Spurlehren erforderlich. Auf die Nachbildung der
Kleineisen kann man getrost verzichten. Im eingeschotterten und
lackierten Zustand sind die Halterungen im H0-Maßstab kaum mehr zu
erkennen. Wer sie dennoch nachbilden möchte, dem seinen
Schienennägel (z.B. von der Hobby-Ecke Schuhmacher) empfohlen. Dazu
müssen neben den Gleisen die Löcher für die Aufnahme der Nägel
vorgebohrt werden. Bei unserem Großprojekt haben wir gerne auf diese
Arbeit verzichtet.
Ist die Weiche vormontiert, erfolgen Probeläufe mit
Fahrzeugen verschiedener Hersteller. Auch sollte man prüfen,
ob RP25-Radsätze nicht in die Herzstücklücke fallen und NMRA-Radsätze nicht auflaufen. Als abschließende Arbeit müssen noch
die Radlenker angefertigt werden, wieder aus Profilen des
Peco-Flexgleises.
Nicht vergessen darf man die Trennstellen vor und hinter dem
Herzstück. Aufgrund der leitenden Pertinax-Schwellen benötigen
Backenschienen und Zungen keine elektrische Verbindung. Eine
Polarisierung des Herzstückes sollte selbstverständlich sein.
Einbau und Farbgebung
Bei den von uns verwendeten Pertinax-Platten ergab sich
zwischen Weichen und Flexgleisen eine Höhendifferenz von einem
Millimeter. Daher haben wir als Bahndamm und Geräuschdämmung für
die Flexgleise 4mm starke Korkstreifen gewählt, für die Weichen 3mm
starke Korkplatten.
Mit Zweikomponentenkleber wird die Weiche auf der Korkplatte
fixiert. Sind alle Gleise verlegt, erhalten sie mit der Spritzpistole
einen rostigen Anstrich. Wir verwenden eine Mischung aus den
Farbtönen Nr. 63 und 171 von Humbrol im Mischungsverhältnis 3:1. Der
Anstrich kann getrost zwei Mal erfolgen und zuvor müssen die Profile
selbstverständlich gründlich entfettet werden. Im Bereich der
Stellstange kommt außerdem ein Hauch schwarzer Farbe zum Einsatz.
Sollten die Zungen die Farbschicht durch die Bewegung abscharben,
können die Schwellen auch in diesem Bereich zuvor brüniert werden.
Als Schotter verwenden wir ausschließlich die optisch
hervorragenden Produkte von Asoa. Der Schotter wird trocken
aufgestreut und mit dem bekannten Weißleim-Wasser-Spülmittel-Gemisch
fixiert. Der spezielle Asoa-Kleber konnte uns nicht überzeugen.
Nach der Trocknung erhält das ganze Gleisbett noch einen
feinen Überzug mit der zuvor verwendeten Farbe für die
Schienenprofile. Je nachdem, wie sehr die Alterung des Schotterbettes
ausfallen soll, muss die Dosierung mit der Spritzpistole gewählt
werden. Die so entstandene Gleisanlage kann sowohl optisch, als auch
technisch voll überzeugen.
Der Weichenantrieb
Natürlich wollten wir einen Motorantrieb. Die Ernüchterung
kam beim ersten Besuch eines Eisenbahnfreundes: "Lernen Sie doch
Trompete spielen, dann können Sie zu dem Motorgeräusch die zweite
Stimme blasen", lautete der vernichtende Kommentar zu dem -
zugegebenermaßen nicht ganz leisen - Großserienprodukt. Fündig
wurden wir bei Conrad Elektronik. Ein einfacher Motorantrieb dient als
Grundlage für einen sauber laufenden, geräuscharmen Weichenantrieb.
Und günstig ist die Lösung obendrein. Allerdings treiben wir nicht
die Stellschwelle mit einem Stelldraht an. Die Bewegung wird in eine
Drehbewegung umgesetzt, die auf die Weichenlaterne (Fabrikat Weinert)
wirkt. Von dort wird die Bewegung wieder umgesetzt und die
Stellschwelle von der Seite her angetrieben. Wie beim großen Vorbild.
Natürlich erhält der Antrieb auch zusätzliche Schalter für die
Polarisierung des Weichenherzstückes.
Bei der Beleuchtung der Weinert-Laterne hat sich Andreas Göke etwas
Besonderes einfallen lassen. Statt das Licht durch den Lichtleiter zu
schicken - das ist viel zu dunkel - wird eine LED so zurechtgefeilt,
dass sie in dem Laternenkasten noch Platz findet. Eine gelbe LED gibt
dabei ein warmes Licht ab, das dem Vorbild sehr nahe kommt.