| Erbauer |
Werner
Schaaf (†) |
| Bauzeit |
1985
bis 2004 |
| Thema |
Preußische
Dampflokomotiven in der Übergangszeit zwischen Länderbahn und
der frühen Deutschen Reichsbahn |

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Das Modell der Zechenlokomotive "Walsum" war im Original auf
den Gleisanlagen der gleichnamigen Zeche in Duisburg-Walsum im Einsatz.
Das noch unlackierte Modell von Werner Schaaf (†) rangiert auf diesem Bild
vor der Zechenkulisse auf der Clubanlage der Modelleisenbahnfreunde
Gelsenkirchen. |
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Foto: Volker Martin |
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Die Fahrzeugsammlung von Werner Schaaf (†) ist in keinem Katalog der einschlägigen
Modellbahnindustrie zu finden. Lokomotiven und Wagen entstanden fast
ausschließlich im Eigenbau. Mehr als 80 Triebfahrzeuge der Preußischen
Staatsbahn hat Werner Schaaf bisher im H0-Maßstab gefertigt.
Die Geschichte begann
wie bei vielen anderen Hobbykollegen. Nach dem zweiten Weltkrieg
besuchte Werner Schaaf die Schule in Bochum-Dahlhausen. Täglich fuhr er
mit dem Zug von Blankenstein nach Hattingen/Ruhr. Die restlichen
Kilometer ging es weiter per Pedes, denn die Ruhrtalbrücke war
gesprengt. Schnell rissen ihn die schwarzen Dampfrösser in ihren Bann.
Neben den Baureihen T18 und P8 kam auch die G8/2 (Baureihe 56) zum
Einsatz. „Insbesondere letztere hatte es mir angetan“, erinnert sich
der Bochumer.
Mit dem Lokpersonal hatte sich der Filius schnell
angefreundet. Werner Schaaf: „Die erste Mitfahrt auf dem Führerstand
und den ersten Blick in die Feuerbüchse werde ich nie vergessen.“ An
dieser Stelle sei vermerkt, dass Werner Schaaf nicht nur ein exzellenter
Modellbauer ist, sondern sich auch aufs Erzählen von Geschichten rund
um die Eisenbahn versteht. Höhepunkt seiner Exkursionen mit der
Eisenbahn waren die sonntäglichen Fahrten zur Verwandtschaft nach Köln.
05er und 17er auf der Rheinstrecke, dazu 91er im Rangierbetrieb. Leider
hatte der Schüler seinerzeit nicht das nötige Taschengeld für einen
Fotoapparat.
Zur Modelleisenbahn war
es nun nur noch ein kleiner Schritt. Ein Schienenoval sowie je ein Güter-
und Personenzug von Trix standen auf der Habenseite. „So richtig
kitschig, wie man das damals hatte“, erinnert sich Werner Schaaf.
Schwachpunkt war allerdings die Fahrtrichtungsumschaltung durch
Stromunterbrechung, so dass der frisch gebackene Modelleisenbahner zum Märklin-System
wechselte. Davon sind mittlerweile nur noch die Baureihe 86 und das
bekannte Flötenhaus als Erinnerungsstücke übriggeblieben. Letzteres
kostete seinerzeit neun Mark – „das bedeutete zwei Wochenenden kein
Kino“ – und soll einen Ehrenplatz auf einem Diorama erhalten.
Erst 1965 folgte
der entscheidende Wendepunkt in Werner Schaafs Modellbahner-Lebenslauf.
Es sollten nur noch Fahrzeuge mit einer persönlichen Beziehung gekauft
werden. Fahrzeuge der Königlich Preußischen Eisenbahn. Fast beschämt
gesteht der gelernte Büchsenmacher ein: „Die Bayern waren uns zur Länderbahnzeit
technisch weit überlegen, man denke nur an die S3/6. Trotzdem habe ich
mich den wunderschönen Maschinen aus der preußischen Heimat
verschrieben. Außerdem war ein Nachbau des gesamten Fahrzeugbestandes
Deutschlands zeitlich nicht realisierbar.“ Die vorhandene Sammlung war
schnell verkauft, aber kein Hersteller hatte das gewünschte rollende
Material in seinem Sortiment. Die ersten Triebfahrzeuge entstanden als
Pappmodelle nach Vorlagen in den damaligen Fachzeitschriften. Danach
wandte sich Werner Schaaf dem Messing zu, einem Material, dem er bis
heute die Treue hält. „Messing lässt sich sehr gut bearbeiten. Fräßen,
drehen, löten, alles kein Problem.“ In der väterlichen Werkstatt
entstand das erste Modell, die T11. Dabei handelt es sich um eine Nassdampfausführung
der T12 (Baureihe 74). Industrieräder und ein Antrieb der Firma Märklin
blieben zunächst erhalten. Am Küchentisch wurden die Fertigkeiten mit
einem alten englischen Uhrmacherschraubstock und einem Werkzeugkästchen
perfektioniert.
Viele
Industriemodelle wurden verfeinert. Werner Schaaf: „Meistens fehlten
wichtige Aggregate einer Dampflok oder Leitungen waren viel zu dick
angegossen. Ich habe M3-Schrauben abgesägt und als Kühlrippe der
Luftpumpe eingesetzt.“ Später traute sich der Modellbahner auch an
die Räder und an die Steuerung. „Die große Drehbank mit
Dreibackenfutter hat mir dabei so manche Flachstelle beschert“,
erinnert sich Schaaf. Nach der Anschaffung einer „Bohley“ traute sich
der Preußen-Sammler an den totalen Selbstbau. Fehlende Modelle wie P8,
G8/1, G8/2, G8/3, T18 und T3 entstanden im Eigenbau. Werner Schaaf:
„Modellbahnmessen hat man zu dieser Zeit vergeblich abgewartet. Da tat
sich nichts.“ Seine wichtigste Hilfe beim Selbstbau waren die guten
Kontakte. Man sei immer auf einen Stamm von zuverlässigen
Modellbahn-Freunden angewiesen, möchte man ein außergewöhnliches Ziel
erreichen.
Das hat Werner
Schaaf längst erreicht: Mehr als 80 preußische Dampfrösser entstanden
an der eigenen Werkbank. Darunter Güterzuglokomotiven wie die G3, G9
Mallet, G7/2, G10 und G12, sowie die kompletten Schnellzuglokomotiven S1
bis S10. Das größte Problem blieb immer der Antrieb. „Zum Teil habe
ich mich mit japanischen Motoren herumgeschlagen, zum Teil kamen Märklin-Motoren
zum Einsatz“, berichtet der Bochumer. Wichtige Anregungen lieferte
immer sein Freund Hermann Teichmann. „Ich bin gerne nach Hagen
gefahren und schlauer nach Bochum zurückgekehrt“, erinnert sich
Werner Schaaf. Eine wichtige Erkenntnis war, dass es nicht unbedingt auf
den exakten Maßstab 1:87 ankommt. Vielmehr müssen die Proportionen
stimmen, „damit es dem Modellbahner-Auge nicht weh tut.“ Eine zweite
Erkenntnis lautete: Nichts selber herstellen, was man gut kaufen kann.
Mit Ritzel, Röhrchen, Achsenstummel, Schnecke und Winkeltrieb wurde an
den ersten Selbstbau-Getrieben experimentiert. Aber erst als Werner
Schaaf den Faulhabermotor für die Modellbahn entdeckte, passten die
Fahreigenschaften der Maschinen zu ihrem exzellenten Äußeren.
Schließlich gab
eine Idee der anderen die Hand. Insbesondere die Räder haben viel Zeit
und Lehrgeld gekostet. Aber unter der Zusammenarbeit mit der
feinmechanischen Abteilung der Ruhruniversität Bochum hat der
Modellbauer auch dafür Lösungen gefunden. Haftreifen wurden übrigens
mit einem Diamanten abgedreht, um das Fahrverhalten weiter zu
optimieren.
Insgesamt
unterteilt Werner Schaaf die Entstehung einer H0-Dampflok in sieben
Arbeitsschritte:
Rahmen,
Achsen und Räder, Zahnräder, Faulhaber-Antrieb, Zylindergruppe,
Bremsbacken und die Stromaufnahme werden zusammengefügt. Wichtig ist
ein perfekter Lauf der Steuerung.
Das
Umlaufblech, die Pufferbohle und das Führerhaus werden ergänzt. Diese
Komponenten dürfen bewegliche Teile nicht beeinträchtigen.
Der
Kessel mit Tür wird gedreht.
Der
Kessel wird passend für den Motor und die Zahnräder aufgefräst und
grob montiert. Gehäuse abnehmen und mit „Zutaten“ versehen. Die
„Nase“ (Schornstein) kommt auf das Gesicht. Dampfdom, Sandkasten, Überdruckventil,
Waschluken, Speisewasser- und Luftpumpe sowie die Ventile werden als
Feingussteile montiert. Die Funktion einer Dampflok sollte dabei bekannt
sein. Wichtig ist, dass die Betätigungsstange vom Führerhaus gerade zu
den Kesselventilen verläuft, denn „eine schiefe Welle dreht sich eben
nicht“.
Erste
Gehversuche auf der Teststrecke. Absolut gerade verlegte Schienen in
Augenhöhe (Hilfsmittel: Parallelreißer und Richtplatte) auf einer
geraden Unterlage (z.B. Glasscheibe) sind Voraussetzung.
Es
folgt die Lackierung. Das Gehäuse wird entfettet und mit
Zweikomponentenlack grundiert. Danach muss es mindestens zwei Tage
trocknen. Unebenheiten, z.B. durch Lötzinn, werden mit
Feinschleifpapier, einer feinen Feile und mit einem Skalpell bearbeitet.
Flusen kann man mit der Pinzette entfernen. Danach folgt eine Lackierung
mit Kunstharzlack im Abstand von 12 bis 18 cm. Hoher Luftdruck führt zu
einer matten Lackierung, niedriger Luftdruck zu einer glänzenden
Lackierung. Diese Lackschicht muss eine Woche austrocknen. Mit Maskol
Abdecklack wird die zweite Lackierung (Länderbahn!) vorbereitet. Feine
rote Kanten am Umlaufblech werden mit dem Pinsel nachgezogen. Die
Zierlinien gibt Werner Schaaf bei einer Berliner Edelschmiede in
Auftrag.
Zum
Schluss werden alle Leitungen sortiert und installiert.
Werner
Schaafs Modelle fristen kein tristes Dasein in der Vitrine. Zwar erlaubt
die mangelnde Zeit – die Abende sind mit dem Bau der Modelle reichlich
ausgefüllt – keine große stationäre Anlage, doch der Länderbahn-Sammler
werkelt nebenbei an einer Modulanlage. „Grenzbach-Walden“ heißt das
fiktive Städtchen im Thüringer Wald, in dessen Bahnhof mit mittlerem
Bahnbetriebswerk eine Zahnradbahn abzweigt. Den Namen trägt der Ort zu
Recht, denn hin und wieder verirrt sich auch mal eine schöne Bayerin über
die Grenze zu den schmucken Preußen. Erst kürzlich hat Werner Schaaf
seine Sammlung um eine Baureihe 96 von Lemaco erweitert. „Da konnte
ich einfach nicht widerstehen“, gesteht das preußische Urgestein.
Damit
sich auch Freunde und Hobbykollegen an den wunderschönen Modellen
erfreuen können, hat sich Werner Schaaf etwas Besonderes einfallen
lassen. An Weihnachten erstellt er ganz persönliche Karten zum Fest.
Dabei handelt es sich immer um Motive rund um die Eisenbahn. 1996 gab es
gleich eine ganze Weihnachtsgeschichte um einen (Modell-)Zug, der kurz
vor Grenzbach-Walden im Schneesturm feststeckte. Eine tolle Idee.
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